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Das Trauma überwinden – Eine ernstzunehmende Wunde des eigenen Seins

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Das Wort Trauma stammt ursprünglich aus dem Griechischen und heißt übersetzt erst einmal nichts anderes als „Wunde“ oder „Verletzung“. Ein psychisches Trauma entsteht in Folge eines sehr stressgeladenen Ereignisses, das den Mensch in Gänze überfordert. Eigentlich stellt der Körper bei einer Bedrohung um auf „Kampf“  oder sogar „Flucht“, so, wie es aus der Tierwelt bekannt ist. Wenn diese beiden Optionen jedoch nicht möglich sind, entsteht ein Gefühl von Hilflosigkeit bis hin zu Todesängsten. Im Gehirn kommt es somit zu einer Überflutung der Reize, auf welche nicht aktiv durch Kampf oder Flucht reagiert werden kann. Stattdessen fühlt der betroffene Mensch sich wie versteinert und empfindet die Situation als unwirklich. Dies ist der Versuch der eigenen Psyche, die schwerwiegende Situation von sich fernzuhalten und teilweise oder komplett abzuspalten. Dieses Phänomen nennt man „freeze and fragment“.

Kurze Zusammnführung:

  1. äußeres, stressreiches Ereignis
  2. Überflutung mit aversiven Reizen
  3. kein Kampf & keine Flucht
  4. Konsequenz: freeze und fragment

Eine bestimmte Situation, die für einen Mensch traumatisierend ist, muss für einen anderen Mensch nicht zwingend auch traumatisierend wirken. Hier spielen unterswchiedliche Faktoren eine entscheidende Rolle. Allerdings gibt es bestimmte Situationen, die bei den meisten Menschen ein Trauma auslösen. Hierzu zählen zum beispielsweise:

  • Vernachlässigung
  • Unfälle und (Natur-)Katastrophen
  • sexueller und emotionaler Missbrauch
  • Vergewaltigung
  • Gewalt im Allgemeinen
  • Trennung
  • Tod von Angehörigen

Folgestörungen eines Traumas

Welche Auswirkungen ein Trauma hat, ist von mehreren Faktoren abhängig und es Bedarf unbedingt professioneller Methodiken, um das Trauma überwinden zu lernen. Je jünger ein Mensch zum Zeitpunkt einer Traumatisierung ist, je weniger also sein Welt- und Selbstbild gefestigt ist, desto verheerender wirkt sie sich in der Regel aus. Die Dauer und Schwere der Traumatisierung stellen genauso, wie die eigene Verfassung und Sensibilität einen weiteren Grund dar. Wichtig ist auch die Frage, ob man Hilfe bekommt oder auf sich selbst gestellt ist. So ziehen kollektive Traumata, wie z. B. Erdbeben, nach dem sich die Betroffenen untereinander austauschen können, andere Folgen nach sich als etwa die Situation eines Heranwachsenden, das in der eigenen Familie missbraucht wird und sich niemandem anvertrauen kann.

Mögliche Traumafolgen reichen von einer kurz anhaltenden akuten Belastungsreaktion bis hin zu einer sehr komplexen posttraumatischen Belastungsstörung. Durch das Phänomen des Freeze und Fragment, was bereits im oberen Teil erklärt wurde, kommt es oft zu einer Absonderung der traumatischen Erlebnisse, die vom Verlust des emotionalen Bezugs bis hin zu einer völligen Amnesie für das Ereignis reichen kann. Häufig tauchen sehr schnell Fragmente der Erinnerung an das Trauma, als die bekannten Flashbacks auf.
Im Extremfall entsteht durch dieses Abspalten der Traumata eine Dissoziative Identitätsstörung, bei der sich die der Menschen in mehrere Teile seines Seins aufspaltet. Bekannte Persönlichkeitsstörungen wie beispielsweise die Borderline-Störung gehen häufig auf Traumata der eigenen Kindheit zurück und bewirken in der Konsequenz Verhaltensweisen wie Essstörungen, Drogensucht oder Selbstverletzungen. Auch körperliche Beschwerden wie Akne, können psychosomatische Traumafolgen darstellen.

Die Diagnose eines Traumas

Da im Zusammenhang mit Traumafolgen oft die Rede von verschiedenen Diagnosen ist, ist es  wichtig zu verstehen was eine Diagnose dieser psychischen Erkrankungen ist.

Was ist eine Diagnose?

Das Wort  “Diagnose” kommt auch aus dem Griechischen und bedeutet “Erkenntnis” oder “Unterscheidung”.  Genau darum geht es auch bei einer Diagnose: die bei einem Menschen auftretenden Symptome zu klassifizieren und somit bestimmten Krankheitsbildern zuordnen zu können, um anschließend die zugeschnittene Behandlungsmethode zu wählen. Auch Rückschlüsse auf die Ursachen, also die Quelle der Erkrankung, werden hierdurch ermöglicht.

Vor allem  bei Traumafolgen treten häufig mehrere Symptome bzw. Komorbitäten und demzufolge auch mehrere Diagnosen auf (zum Beispiel: Dissoziationen, Medikamentenabhängigkeit und Depressionen).

Wer kann eine Diagnose stellen?

In der Tat darf jeder zugelassene Mediziner oder Psychotherapeut eine Diagnose stellen. Jedoch verfügt ein Allgemeinmediziner generell meist nicht über das Fachwissen auf dem Gebiet der psychischen Störungen, sodass es ratsam ist, die Behandlung und Diagnostik einem Psychiater oder Psychologen zu überlassen.

Um sicherzustellen, welche Diagnose bei einem Mensch vorliegt, kommen verschiedene Varianten zum Einsatz. Zuerst muss gescannt werden, ob die Symptome wirklich psychischer Natur sind und nicht auf eine körperliche Erkrankung zurückzuführen sind. Außerdem existieren verschiedene standardisierte Fragebögen, die in Form eines Interviews zwischen Therapeut und Patient durchgegangen werden und dem Therapeuten helfen, das Erleben des Betroffenen besser einzuschätzen. Ganz zu Letzt ist auch das gängige Therapiegespräch von Bedeutung, in dem über das Problem gesprochen wird.
Insgesamt nimmt eine umfangreiche und exakt durchgeführte Diagnostik einen bestimmten Zeitraum in Anspruch. Eine Diagnose darf unter keinen Umständen auf die Schnelle gestellt werden und jener, der bereits die erste Therapieeinheit mit einer fertigen Diagnose verlässt, der darf dem gerne skeptisch gegenüber stehen.

Die Form der Diagnose

Psychische Erkrankungen werden, wie alle anderen Krankheiten auch, anhand der ICD-10 klassifiziert, was ausgeschrieben International Classification of Diseases bedeutet. Diese ist von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) geregelt und bestimmt für psychische Störungen ein eigenes Kapitel.

Zusätzlich zum gängigen Begriff wir die Diagnose durch einen sogenannten Diagnoseschlüssel ausgedrückt. Der anerkannte Diagnoseschlüssel besteht aus einem Buchstaben und einer bestimmten Zahlenkombination. Bei psychischen Erkrankungen wird generell ein F für das Kapitel “Psychische Verhaltensstörungen” angefügt. So steht F 60.31 z.B. für emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus.

Generell sollte man ein Trauma nicht unterschätzen und man kann froh sein, in einer Gesellschaft zu leben, welche diesem Thema einen gewissen Ernst beisteuert.

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