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13.12.2016 - 20:00 | KTV | Stadtleben > Gericht  > Landgericht zur Klage von Sewan Latchinian

Entlassung ist unwirksam

Das Landgericht Rostock hat am heutigen Dienstag festgestellt, dass die Kündigung des Theaterintendanten Sewan Latchinian vom Juni dieses Jahres nicht wirksam ist: Die Gründe für eine Kündigung seien nicht ausreichend.

Der Vorsitzende der 6. Zivilkammer des Landgerichts hat heute durch ein Urteil festgestellt, dass das zwischen den Parteien im Juli 2013 begründete Anstellungsverhältnis durch die Kündigung der Beklagten vom 6. Juni 2016 nicht beendet wurde, sondern ungekündigt fortbesteht.

Die Kammer hat dabei in den Urteilsgründen eine Pflichtverletzung des Theaterintendanten zwar bejaht. Latchinian habe in einem Fall gegen die ihm vertraglich obliegende Verschwiegenheitspflicht verstoßen. Dennoch sei es der Volkstheater Rostock GmbH zumutbar, dass Anstellungsverhältnis fortzusetzen.

Die Pflicht zur Verschwiegenheit habe der Theaterintendant verletzt, indem er am 20. Mai 2016 eine E-Mail an den Betriebsrat gesandt habe. Gegenstand der E-Mail seien die vertraulichen Überlegungen des kaufmännischen Geschäftsführers aus einem auch als vertraulich gekennzeichneten Papier zur Schließung einzelner Sparten und zur „Freisetzung“ von unbefristet eingestellten Schauspielern gewesen. In der Übersendung dieses vertraulichen Inhalts an die Mitglieder des Betriebsrates läge eine Pflichtverletzung begründet, da die vertrauliche Behandlung der Überlegungen und Abstimmungen auf geschäftsleitender Ebene für die Entscheidungsfindung einer GmbH unabdingbar seien.

Weitere Pflichtverletzungen hat die Kammer nicht bejaht. Insbesondere sei die durch den Theaterintendanten öffentlich geäußerte Kritik an der Geschäftspolitik der Stadt als Gesellschafter der Volkstheater Rostock GmbH vom Grundrecht auf Meinungs- und Kunstfreiheit (Art 5 Abs. 1 und 3 GG) gedeckt. Die Grenze zu unangemessener und persönlich verunglimpfender Kritik sei noch nicht überschritten gewesen.

Auch eine unzureichende oder verspätete Spielzeitplanung 2016/2017 ließ sich dem Vortrag der Beklagten nicht hinreichend entnehmen. Zu beachten sei insoweit vielmehr, dass der Theaterintendant im Januar und Februar 2016 bereits den Unsicherheiten wegen der geplanten Spartenschließung und der daraus resultierenden Unruhe innerhalb der Belegschaft ausgesetzt gewesen sei.

Die verbleibende Pflichtverletzung durch Unterrichtung des Betriebsrates der Beklagten über die Überlegungen des kaufmännischen Geschäftsführers zur „rechtssicheren“ Freisetzung von unbefristet eingestellten Schauspielern wiege in der Gesamtabwägung der Interessen nicht so schwer, dass die Fortsetzung des Geschäftsführerverhältnisses für die Volkstheater Rostock GmbH nicht mehr zumutbar sei. Dabei sei auch zu berücksichtigen, dass der damalige kaufmännische Geschäftsführer Stefan Rosinski mit seinen geäußerten Überlegungen von dem Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 29. Januar 2016 – in dem der Erhalt unbefristeter Verträge beschlossen worden war – abgewichen sei. Die Meinungsfindung zwischen den Geschäftsführern sei zwar schützenswert, stelle jedoch kein besonders schützenswertes Geheimnis der Beklagten dar.

Die Volkstheater Rostock GmbH kann inerhalb eines Monats gegen das Urteil Berufung einlegen.

PM Landgericht Rostock / Hansje Eidam

KOMMENTAR

Teurer Spaß

Alfred Jarry und William Shakespeare haben sich nie kennengelernt. Aber diese Mischung von „König Ubu“ und „Richard III.“ scheint für Rostock geschrieben worden zu sein. Tragik und Groteske verschwimmen in diesem Stück und schon lange taugt die Geschichte selbst zum Theaterstoff. Das Urteil ist noch kein Sieg für Sewan Latchinian, es ist nicht zu erwarten, dass die „Beklagte“ – die Volkstheater Rostock GmbH in Person der Stadt und damit des Oberbürgermeisters – ihre Anwälte zurückpfeift und es doch zu einem Vergleich kommt. Roland Methling nimmt den Streit gegen den Sewan Latchinian schon lange persönlich. Das ist mindestens unprofessionell. Es ist auch nicht zu erwarten, dass Sewan Latchinian in sein Büro zurückkehrt, dort sitzt inzwischen der neue Intendant Joachim Kümmritz und tut tatsächlich das, was er angekündigt hat: Er sorgt für Ruhe. Aber bei Shakespeare haben wir auch gelernt: Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.

FRANK SCHLÖSSER

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