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26.02.2016 - 10:00 | Stadtmitte | Stadtleben > Bildung  > Astronomische Uhr bald interaktiv

Neuer Anlauf für die Weltkulturerbe-Liste

Der Maschinenbaustudent Ulrich Streckfuß möchte mit einer interaktiven Dokumentation dafür sorgen, dass die Besucher der Marienkirche die Astronomische Uhr nicht nur bewundern, sondern auch verstehen können.

„Mein Ehrgeiz ist es, Begeisterung beim Besucher auszulösen“, sagt der 27-Jährige, der gern Orgel spielt und im Uni-Chor singt. „Durch ein interaktives Erlebnis können die Rostocker und ihre Besucher die Astronomische Uhr besser verstehen und schätzen lernen“, ist der gebürtige Berliner überzeugt, der seinen Studienort Rostock sehr zu schätzen weiß.

Die Idee, die Astronomische Uhr auch interaktiv zu präsentieren, hatte Uni-Rektor Professor Wolfgang Schareck. Und er fand sofort Gehör bei Professor Martin-Christoph Wanner, Leiter des Fraunhofer Anwendungszentrums und Senior-Professor an der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik der Uni Rostock. „Die Astronomische Uhr, die täglich mit der Hand aufgezogen wird, verdient eine besondere Auszeichnung“, sagt der Rektor. Er ist nicht allein mit seinem Wunsch, dass diese weltweit einzigartige Uhr mit ihrem ursprünglichen mittelalterlichen Uhrwerk von 1472 auf die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste kommt.

Seit 2012 knobeln Studenten der Uni Rostock an der digitalen Nachbildung des Kunstwerks. Jetzt ist das Modell fast vollständig und findet sowohl bei Pastor Tilman Jeremias von der Innenstadtgemeinde, aber auch bei Denkmalpflegern und Wissenschaftlern Anerkennung, insbesondere auch bei dem ehemaligen Astronomie- und Mathelehrer Prof. Manfred Schukowski. Der 88-jährige Experte weiß auf jede fachliche Frage, die mit der Rostocker oder einer anderen astronomischen Großuhr im Ostseeraum, Deutschland und Europa zu tun hat, eine Antwort. Seit über 40 Jahren beschäftigt er sich mit der Astronomischen Uhr in St. Marien. „Es ist sehr gut, dass dieses Kunstwerk den Menschen jetzt digital verständlich gemacht werden soll“, sagt Prof. Schukowski. Das  Äußere der Uhr könne man betrachten. „Aber zu ihrem Innenleben gibt es viele Fragen. Die Abläufe erlebbar zu machen, das ist der Gedanke, für den ich gearbeitet habe“, freut sich Manfred Schukowski über die Forscher-Idee zur Digitalisierung.

Und die soll auch Kinder ansprechen. Dr. Ricarda Grübler vom Institut für Schulpädagogik/Grundschulpädagogik hält für ihr Seminar „Historisches Lernen in der Grundschule“ immer Ausschau nach praktischen Erfahrungen für „ihre“ Studenten. Sie erarbeiten historische Lehrinhalte und probieren diese sozusagen am „lebenden Objekt“ aus. Jetzt sei sie sehr erfreut gewesen, so Ricarda Grübler, als Ulrich Streckfuß ihr von dem Projekt erzählt habe, die Astronomische Uhr auf interaktivem Weg erlebbar zu gestalten. „Durch eine Stadtführerausbildung weiß ich um die Bedeutsamkeit dieser grandiosen Astronomischen Uhr“, sagt die Dozentin.

Uni-Rektor Wolfgang Schareck und Großuhren-Experte Manfred Schukowsi arbeiten weiter am dem Antrag, die Astromische Uhr auf die UNESCO-Kulturwelterbe-Liste setzen zu lassen. Foto: Fraunhofer-Institut

Uni-Rektor Wolfgang Schareck und Großuhren-Experte Manfred Schukowski (v.l.) arbeiten weiter am Antrag, die Astromische Uhr auf die UNESCO-Kulturwelterbe-Liste setzen zu lassen. Foto: Fraunhofer-Institut

Sie stellt sich  die Seminargestaltung so vor, dass sich die Studenten zunächst in einer Führung vor Ort mit der Marienkirche vertraut machen und dann im weiteren Verlauf einen Kirchrundgang für Grundschulkinder erarbeiten, der dann wiederum mit Klassen der Türmchenschule im Rahmen des Sachunterrichts in der Weihnachtszeit durchgeführt werde. „Bei den einzelnen Stationen in der Kirche geht es um den Einsatz verschiedener Methoden der Vermittlung wie etwa Lehrervorträge, Unterrichtsgespräche, Rätsel, Arbeitsblätter – bei der Astronomischen Uhr dann eben auf interaktivem Weg. Dafür werden wir mit kindgerechter Sprache und Methodik Texte sowie Bildmaterial zur Verfügung stellen.“

Bereits 2012 fand in Rostock das „VI. Internationale Symposium mittelalterliche astronomische Großuhren“ statt. Das Symposium kam zustande, weil Manfred Schukowski nicht nur alle Uhren kennt, sondern von der ganzen Szene auf diesem Gebiet als Experte geschätzt wird. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich die Wissenschaftler Rat holen bei einem Mann, der sein Leben lang Pädagoge war, seine Forschungen „nebenher“ betrieb und sich erst als Rentner diesem Thema ganz zuwenden konnte. Er sei sowohl dem Rektor als auch dem Fraunhofer Institut sehr dankbar, dass die mittelalterliche technische Spitzenleistung jetzt wieder neu und zeitgemäß ins Bewusstsein gerückt werde, betont Schukowski.

PM Uni / WOLFGANG THIEL

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