Februar 2017 Tag zurueck 24.

30.03.2016 - 19:18 | Stadtmitte | Stadtleben > Bildung  > Forschung zur Inklusion

Gemeinsam Lernen, egal welche Voraussetzungen Kinder mitbringen?

Gemeinsam Lernen, egal welche Voraussetzungen die Kinder mitbringen? Geht das? „Auch in Mecklenburg-Vorpommern wird darüber diskutiert, wie ein inklusives Schulsystem aussehen könnte. Dabei kommt die Frage auf, welche Unterstützung und Ressourcen Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulen bei der Umsetzung benötigen“, sagt Prof. Thomas Häcker, Schulpädagoge an der Universität Rostock.

In Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin hat er in Rostock jetzt ein Forschungs- und Entwicklungs-Projekt zur Inklusion, speziell zur Frage der Leistungsbewertung und Lernförderung an inklusiven Schulen in Deutschland  (KOLEF), gestartet. Das Besondere dabei ist, dass hier die Schulpädagogik mit der Sonderpädagogik gemeinsam der schwierigen Frage nachgehen, wie sich die Leistungsbewertung einerseits und die sonderpädagogische Diagnostik andererseits, so verbinden lassen, dass dies das Lernen aller Kinder fördert. Die Studie wird mit 50 000 Euro von der Max-Traeger-Stiftung gefördert.

Dass alle Kinder selbstverständlich miteinander lernen und  individuell bestmöglich gefördert werden, wurde 2009 mit dem Inklusionsgebot auch in Deutschland zur Pflicht. „Viele haben entsprechend hohe Erwartungen an eine zukünftig inklusive Schule. In der Realität braucht das aber Zeit, Begleitung und entsprechende Rahmenbedingungen“, konstatiert Prof. Häcker. „Regelschullehrer und Sonderschullehrer müssen jetzt sehen, wie sie die unterschiedlichsten Lernvoraussetzungen der Kinder gemeinsam fördern und wer dabei welche Aufgabe übernimmt.“

Wo stehen wir gerade? „Wir sind in einer Umbruchzeit. Förderschulen werden geschlossen, Kinder mit Beeinträchtigungen unterschiedlicher Art werden in allgemeinbildende Schulen eingegliedert“, schätzt Maik Walm ein, der als Nachwuchswissenschaftler am „Lehrstuhl Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Schulpädagogik und empirischen Bildungsforschung“ im Projekt mitwirkt. Wird jedes Kind mit seinen Lernvoraussetzungen in einer noch heterogeneren Lerngruppe so gut wie möglich gefördert? Das ist auch eine Kernfrage der aktuellen Studie, die bis 2018 fertiggestellt sein soll. Denn in der Praxis ist häufig vieles schwieriger als es theoretisch erscheint. Lehrer sind hier stark gefordert, weil nicht genügend Ressourcen zur Verfügung stehen und weil sie für die neuen Anforderungen nicht ausgebildet wurden – vor allem nicht in der Kooperation.

Das Forscherteam will deshalb bundesweit an den besten Schulen Lehrern „über die Schultern schauen“, sagt Häcker. Er ist Mitglied der Jury von „Der deutsche Schulpreis“, den die Robert-Bosch-Stiftung und die Heidedorf-Stiftung seit 2006 ausloben. Die Sieger-Schulen zeigen, wie man kreativ und innovativ mit Inklusion umgehen könne, so Prof. Häcker. Derzeit werde seiner Meinung nach zu stark die Frage diskutiert, wer im Rahmen von Inklusion in den Unterricht an Regelschulen einbezogen werden müsse. „Das greift viel zu kurz. Es geht darüber hinaus darum, eine geschärfte Wahrnehmung für die vielen, vor allem auch filigranen Mechanismen zu bekommen, mit denen wir Kinder systematisch exkludieren, also vom Bildungserfolg ausschließen“, betont der Professor. In dieser Hinsicht seien noch viele Hausaufgaben zu erledigen, auch in Mecklenburg-Vorpommern.

PM UNI / WOLFGANG THIEL

Artikel drucken

Schlagworte
, ,
Ein Kommentar

Kommentare

Weitere aktuelle Meldungen

Zahn ausgeschlagen

Ein 55-jähriger Beamter der Rostocker Polizei wurde am Mittwoch gegen 19 Uhr Opfer eines körperlichen Angriffs durch einen alkoholisierten Täter. //weiter

Nonstop ans Rote Meer

Die Germania nimmt Hurghada als neues Ziel in den Sommerflugplan auf und fliegt zwischen dem 3. Juni 2017 und 30. September 2017 immer samstags nonstop von der Ostsee zu dem bekannten Badeort am Roten Meer. //weiter

Forschen und publizieren

Der Verein für Rostocker Geschichte vergibt am 1. März zum ersten Mal den Karl-Koppmann-Ehrenpreis. Aber wer war Karl Koppmann? //weiter

Hoffmann holt Hansas Heimsieg

Das goldene Tor von Marcus Hoffmann beendet eine fast fünfmonatige Heimmisere des F.C. Hansa Rostock. Mit dem 1:0 (0:0) Sieg gegen den Hallschen FC wird auch der erste Punktedreier des neuen Jahres durch den Rostocker Drittligisten eingefahren. //weiter

„Kürzungspläne sind skandalös“

Die Philharmonische Gesellschaft Rostock e.V. setzt sich seit 1994 für den Erhalt der Norddeutschen Philharmonie und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Orchester ein. Mit Bestürzung haben die Musikfreunde die Kürzungspläne der Stadt und des neuen Intendanten Joachim Kümmritz zur Kenntnis genommen. Der Vorsitzende der Philharmonischen Gesellschaft Dr. Thomas Diestel äußert sich dazu im Interview, geführt von Anette Pröber. //weiter

Arbeit am Leitfaden zur Bürgerbeteiligung beginnt

Alle Einwohnerinnen und Einwohner sind herzlich eingeladen, sich während eines Bürgerforums am 6. März ab 19 Uhr in der Rathaushalle in den Prozess zur Erarbeitung eines Leitfadens bzw. eines Leitbildes zur Bürgerbeteiligung einzubringen. //weiter

Prügelei am Doberaner Platz

Am gestrigen Donnerstagabend gegen 19:30 Uhr gingen beim Notruf der Polizei mehrere Anrufe ein, wonach sich bis zu 30 Personen am Doberaner Platz schlagen sollen. //weiter