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26.06.2016 - 11:10 | Stadtmitte | Kultur > Musik  > Breitling Stompers feiern 30-Jähriges

„Es roch nach altem Essen“

Die Rostocker Kult-Band „Breitling Stompers" feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Bei einem stimmungsvollen Dixieland-Konzert im rappelvollen Klostergarten zum Heiligen Kreuz knüpperten die Musiker an ihrer Legende. Mit Notenschlüsseln.

Kopfschütteln! Tatsächlich hatte doch wenige Tage vor dem Konzert der Ur-Vater der Stompers, Detlef Pielucha, Zweifel an der für das Publikum so magischen Anziehungskraft seiner Truppe geäußert. Eine Handvoll verlesener Spitzbuben für die Treueschwüre auf eine subalterne Kapelle? Wie abstrakt war das denn? Tatsächlich reichte das Gestühl im Klostergarten bei weitem nicht aus, um der charmanten Gemengelage aus Party, Picknick und Konzert das entsprechende Mobiliar anbei zu stellen.

Kopfnicken, Teil 1. Vor der Geburtstagsparty avanciert der Klostergarten zur Begegnungsstätte wie früher auf dem Schulhof. Hier die Rostocker Musikergrößen (Uwe Murek, Reiner Brauer, Fritz Micefoun), da die Radiokollegen von jetzt und einst (Leif Tennemann, Hans-Jörg Goldhofer). Ein Einspieler aus bewegten Zeiten der Stompers ruft Erinnerungen hervor.

Kopfnicken, Teil 2. Jawohl, er sei dabei gewesen, als sich Detlef Pielucha und seine frisch rekrutierten Bandmitglieder im September 1985 zu ersten Proben im Saal des alten Kulturhauses der Neptunwerft einfand, erklärt Leif Tennemann: „Da roch es immer nach altem Essen.“ Acht Titel kannten die Jungs. Was Wunder auch, denn vom Dixieland-Jazz aus den Südstaaten Amerikas wusste man nur in den Südbezirken der DDR. Hier baute sich in Dresden mit alljährlichen Festivals eine gut situierte Enklave auf. Nördlich etwa einer Linie Berlin rüber nach Magdeburg huschte diesbezüglich nichts übern Notenständer.

Kopfnicken, Teil 3. Jawohl, im Rahmen eines musikwissenschaftlich-pädagogischen Studiums habe er sich für seine Diplomarbeit mit der Dixieland-Szene in der DDR befasst, verrät Detlef Pielucha. Allzu karges Wissen darüber veranlasste ihn, in einer geselligen Bierrunde in der „Wappenklause“ die Idee zu bewässern, die Dixieland-Musik in den hohen Norden zu holen. Ein argwöhnisch beäugtes (das kannte man ja!) Ansinnen wohl, verwegen sowieso. Aber auch dekadent? Natürlich nicht. Die ersten Konzerte der Breitling Stompers (noch heute sind die Ur-Mitglieder Reiner Gutewort und Siegfried Rosin mit dabei!) wurden in der „Wappenklause“ gespielt. Ruckzuck stellte sich das Elitäre ein. Ausverkaufte Vorstellungen, immer einmal im Monat donnerstags, Karten so begehrt wie die ersten Barther Tomaten in der Saison oder ein Einlass in die Spezialitätenrestaurants in der Warnemünder Schillerstraße. Anno 1986!

Kopfnicken, Teil 4: Jawohl, sie hätten viel erlebt, sagt Detlef Pielucha. Wappenklause, Fernsehen, Auftritte vor den SED-Bonzen Krenz und Tisch, im Dunstkreis von Peter Maffay und Udo Lindenberg, zum Grillfest des FC Bayern München mit Rummenigge, Hoeneß & Co. Die Stompers halfen dem unvergessenen „Fritzing“ Roggelin aus dem wirren Gestrüpp seiner Intentionen. Er, ein Vollblutmusiker vor dem Herrn, hatte sich als Reiseunternehmer verdingt und fuhr mit Karacho an die Wand. „Die ,Breitling Stompers‘ haben mich wieder ausgebuddelt“, blieb Roggelin zeitlebens dankbar.

Kopfnicken, Teil 5: Jawohl, die Stompers böten eine Bühne für viele Musiker, erklärt Detlef Pielucha. Viele Weggefährten seien eingesprungen (so Uwe Murek und Reiner Brauer), manchmal kurzfristig, um perfekt konzertieren zu können. „Beim Auftritt bei Harry Tisch entschuldigten wir uns, dass wir keine Trompete (als frontales Instrument im Dixie, d. A.) dabei hätten, weil wir keine bekämen. Tisch reagierte verärgert, weil er glaubte, wir wollten die Misswirtschaft in der DDR anprangern. Dabei fehlte uns nur ein Musiker“, seufzt heute immer noch Detlef Pielucha.

Kopfnicken, Teil 5: Das Konzert. „Bier und Schmalzstullen beim Wirt Norbert Risse in der Wappenklause. Dixieland-Musik. Ein Hauch von New Orleans am Doberaner Platz. So war das damals“, schwärmt Leif Tennemann. Nun verlegt er die Jubiläums-CD „Wenn du glücklich bist“ für die „Breitling Stompers“. Ein Sechserpack (Reiner Gutewort, Siegfried Rosin, Michael Bahlk, Gunnar Stigge, Jan Carlsen, Detlef Pielucha) wohl getimt. Musiker, die im wahren Leben hehren Berufen nachgehen, oder wie Reiner Gutewort im Solopart die regionalen Kulturbesucher erfreuen (bei Gutewort sollen in dessen Otto-Reutter-Programmen besonders die Damen entzückt sein), kokettieren mit ihrer Nonchalance. Nach dem Motto: Was wir können, das nimmt uns keiner. Sweet Georgia Brown! Eine Dixieland-Hymne. Statt stramm stehen Schuhe aus und los gestampft (gestompert?). Und zwar sekundiert einer faszinierenden Susi Koch, die mit einer enormen Kraft in der Stimme aufwartet und dem begeisterten Publikum spontane Emotionen entfahren lässt.

Tolles Konzert? Kopfnicken, Teil 6.

 

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