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16.02.2016 - 09:53 | Stadtmitte | Kultur > Musik  > Die "Blowboys" von der HMT

Der Shanty-Kammerchor

Die Hochschule für Musik und Theater erschließt sich neue Zielgruppen: Mit der Shanty-Gruppe "Blowboys" mischt sie die alternde Szene der maritimen Männerchöre gehörig auf.

Shanty? Klar, ein paar Jahre wird das noch dauern, bis bei den „Klaashahns“ und bei „Luv un Lee“ in Warnemünde und Rostock die Generationenfrage mit einem schlichten „Nein“ beantwortet wird. War eine schöne Zeit. Aber was nützt schönste Männergesang, wenn es keine Frauen mehr gibt, deren Knie zittrig werden bei den Bässen der ergrauten Fahrensleute? Die Seefahrt ist ja auch schon lange nicht mehr das, was sie früher mal war. Shanty? Der stirbt nicht. Der wächst sich einfach raus…

Denkste: An der Hochschule für Musik und Theater (HMT) erlebt der Shanty seine Wiederauferstehung. Die „Blowboys“ überraschen nicht nur mit Virtuosität im vierstimmigen Gesängen, sondern auch mit einem beeindruckenden Repertoire: Regional im soliden Platt, mit bemerkenswerter Frische und einem Haufen Spaß mischen sie die Kulturveranstaltungen in und um Rostock auf und müssen inzwischen genau planen, um nebenbei auch noch ihr Studium an der HMT zu bewältigen. Die „Blowboys“ sind auch ein Beispiel dafür, wie aus einer Krise etwas Neues, Produktives entstehen kann: Eigentlich stand Maximilian Piotraschke im Jahre 2015 kurz davor, seine Prüfung zu versemmeln. Er hatte sein Nebenfach Akkordeon mit einer halben Stunde Vorspiel abzuschließen, doch aus persönlichen Gründen war sein Repertoire klassischer Akkordeon-Adaptionen noch nicht auf die nötige Länge gewachsen. Sein Hilferuf wurde gehört. „Ich hab meine Jungs aus dem Chor angerufen und wir haben uns schnell der ‚Hamborger Veermaster‘ aufgedrückt“, erzählt Maximilian Piotraschke lächelnd. „Den Prüfern hat es gefallen, ich war gerettet.“ Neben einer durchaus soliden „Zwei“ in der Prüfung kamen die „Blowboys“ auf diese Weise auch zu ihrem Namen. Denn beim folgenden Umtrunk, der natürlich auf die Kappe von Maximilian ging, fiel den Jungs auf, dass man nur wenig flunkern muss, damit im Text von den Blowboys die Rede ist: „Blowboys, blow for Californio…“

Der Zyklus „Anker auf“ des inzwischen 80-jährigen Komponisten Otto Groll lieferte die ersten Vorlagen beliebter Seeleute für einen vierstimmigen Männerchor. Das Logo – die Noten scheißende Möwe – und ein Sponsor waren auch schnell gefunden: Mit einem Kasten Freibier nach jeder Probe sorgt die „Hanseatische Brauerei Rostock“ für die nötige Motivation der Blowboys – allerdings haben sie lernen müssen, dass der Kasten erst nach der Probe in die Mitte gestellt wird. „Sonst wirkt sich das negativ auf die Mehrstimmigkeit aus“, sagt Maximilian Piotraschke. Das ist nur halb als Witz gemeint: Die Arrangements der Blowboys haben es in sich. „Dat du min Levsten büst“ haben sie für vier Stimmen neu gesetzt und auch wenn „Von Stralsund, segt he“ als Volksweise durchgeht, so ist das für die Blowboys kein Grund, das Lied so umzuschreiben, dass auch bei den leicht besoffen scheinenden Rhythmuswechseln unbedingte Nüchternheit im Chor angesagt ist.

Diese norddeutsche Variante der „Comedian Harmonists“ begeistert auch ein Publikum, das auf klassische Musik eingestellt ist: Ende Januar wurden die Blowboys von ihrem ersten wirklich langen Konzert im Gutshaus Dummerstorf gar nicht mehr von der Bühne gelassen. Wo Virtuosität auf Spaß trifft, entfaltet sich offensichtlich wieder ein unwiderstehlicher Charme.

Der Shanty wird weiterleben. Nicht, weil es jetzt die Blowboys gibt. Sondern weil sie bewiesen haben, dass man mit diesen coolen Männerstimmen durchaus wieder auch die Knie jüngerer Frauen zittern machen kann. Noch kommen die Groupies der Blowboys zwar überwiegend aus der Hochschule für Musik und Theater. Aber der Anfang ist gemacht.

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