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25.01.2017 - 19:01 | Stadtmitte | Kolumne > Wie jetzt?  > Radio und Rechtspopulismus

Geliebter Stillstand

Sobald sich die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali oder die NDR-Fernsehjournalistin Anja Reschke zu Wort melden, werden sie in den sozialen Medien mit üblen Hasskommentaren überzogen. Erstaunt blicken sich die Journalisten um: Auf welchem Boden gedeiht diese Fremdenangst? Und später der Rechtspopulismus? Vielleicht düngt ja der öffentlich-rechtliche Rundfunk dort mit? Mit den massentauglichen Gute-Laune-Klangteppichen. Das Programm von NDR 1 Radio MV ist da nur ein Beispiel.

Das ist die These: Massentaugliche Radioprogramme wie NDR 1 Radio MV sind daran beteiligt, die Verhältnisse zu zementieren, in denen rechtspopulistische Parteien ihre Wähler finden. Dazu bemühen sie keine politischen Inhalte. Ihr einziges Ziel ist es, die Hörer möglichst lange bei ihrem Radioprogramm zu halten. Dafür erfragt der Sender telefonisch, welche Musik vom Hörer gewünscht wird und ordnet den Wortanteil eindeutig seinem Musikprogramm unter. Mit dieser neoliberalen Reduzierung seiner Hörer vom interessierten Bürger hin zum passiven Konsumenten unterläuft der Sender die natürlichen Resonanzerfahrungen der Menschen: Mit einem Radioprogramm, das auf ihre Wünsche zugeschnitten ist wird ihnen für durchschnittlich drei Stunden am Tag medial eine Geborgenheit vermittelt, die angesichts der Realität falsch und unzeitgemäß ist.

Diese Selbstreferentialität des Musikprogrammes ist gefährlich: Die Resonanz zwischen Sender und Empfänger ist nicht das Resultat eines besonderen Gespürs der Musikredaktion. Sondern das Resultat eines simplen Frequenzabgleiches in entgegengesetzter Richtung. Den Hörern ist nicht bewusst, dass die Rotation der Titel nach ihren Wünschen zusammengestellt wurde. Sie halten jedes Wiederhören eines Titels aus ihrer Vergangenheit für einen Glückstreffer. Der Sender nutzt dabei die Erkenntnis, dass schon beim Wiedererkennen bekannter Lieder Dopamin ausgeschüttet wird. Weil die Hörer ihr Glückshormon-Depot durch die alltäglichen Wiederbegegnungen mit dem allseits Bekannten auffüllen, bekommen sie – zwangsläufig – Angst vor Überraschungen, vor dem Neuen und Fremden. Bei unbekannten Titeln würden sie abschalten, deshalb gibt es keine unbekannten Titel. Diese Hörer schließen sich eher den Politikern an, die die Bewahrung und Verteidigung des Bestehenden versprechen. In der Bertelsmann-Studie „Globalisierungsangst oder Wertekonflikt? Wer in Europa populistische Parteien wählt und warum“ (veröffentlicht im November 2016) wurde angegeben, dass 78 Prozent der AfD-Anhänger in Deutschland Angst vor der Globalisierung haben. Dagegen gaben nur 45 Prozent der Deutschen an, Angst vor der Globalisierung zu haben – je älter, ungebildeter und ärmer die Befragten sind, desto größer ist diese Angst. So weit die These.

Immer wenn ich Gelegenheit habe, Sender wie NDR 1 Radio MV zu hören, bekomme ich nur Hits um die Ohren, die ich schon kenne. Seit Jahren. Sie steigen plötzlich herauf und liefern Bilder, die mit mir zu tun haben und mit den Epochen, die hinter mir liegen. Auf einmal pfeife ich mit.

Das ist ein angenehmes Gefühl. Es ist warm, es ist, als ob ich Bekannte treffe, die ich seit Jahrzehnten nicht gesehen habe: Alphaville, Depeche Mode, Karat. Natürlich will ich nicht alle Bekannten aus dieser Zeit wiedersehen. Aber ich habe als Hörer die Chance, mir auszusuchen, wie ich ihnen begegne. Ich kann sie leicht ignorieren, ich kann über sie schmunzeln und über mich, ich kann sie heranwinken und in ein Zwiegespräch verwickeln: „Alter, weißt du noch damals in den Achtzigern: Diese Einlasstrauben vor den Diskotheken!“ Sie lächeln, aber sie drängen sich nicht auf, sie rufen mir nicht auf der Straße hinterher, sie wollen nicht meine Handynummer haben und sie ringen mir nicht das Versprechen ab, sich unbedingt mal wieder länger unterhalten zu müssen. Nein, sie kommen morgen wieder vorbei, sie winken und lächeln.

Wie das geht, hat die Wissenschaftlerin Valerie Salimpoor vom Neurologischen Institut der McGill-Universität in Montreal erforscht und im Januar 2011 im Fachblatt „Nature“ auch publiziert: Nicht nur beim Hören von Musik, sondern auch beim Wiederkennen schüttet das Hirn Dopamin aus. Das Glückshormon.

Bleibt die Frage: Wie machen die das? Woher weiß der NDR, welche Lieder ich kenne? Warum spielen die nie das „Gänselieschen“ von Renft? Aber dafür immer wieder die „Jugendliebe“ von Ute Freudenberg? Natürlich könnte man einfach antworten: Weil es das „Gänselieschen“ nicht in die Rotation geschafft hat. Was natürlich die Frage aufwirft: Wer entscheidet das?

Diese Frage wurde mir neulich am Telefon beantwortet. Eine sympathische junge Frau rief mich am späten Nachmittag an und fragte mich, ob ich ein wenig Zeit für eine Umfrage hätte. Ich hatte zwar – wie immer um diese Tageszeit – keine Zeit. Aber sie klang wirklich sehr sympathisch. Deshalb hab ich ein wenig geflunkert: Ich höre ja nicht regelmäßig NDR. Aber es ging ja auch nur um Musik. Ich sollte meine Meinung zu ein paar Liedern sagen, die sie einspielen würden. Ob sie mir gefielen oder nicht, ob ich sie gern wieder hören würde oder lieber nicht. Ich fand das grundsätzlich sehr demokratisch und sagte brav meine Meinung.

Doch irgendetwas war in mir zurückgeblieben. Es fing an, sich mit einem Buch zu verbinden, das ich gerade lese. Es heißt „Resonanz – eine Soziologie der Weltbeziehung“. Geschrieben hat es der Philosophieprofessor Hartmut Rosa aus Jena und obwohl er sich sehr bemüht, nicht allzu sehr auf Fremdworten herumzureiten, bleibt es ein schwerer Brocken. Ich bin solche dicken Bücher nicht mehr gewohnt. Seine These ist überzeugend: Vieles von dem, was unsere Beziehungen zu unserer Umwelt erklärt, lässt sich mit seinem Denkmodell der Resonanz veranschaulichen. Ob wir ein Verhältnis zu Mutti, zur Stadt, zu Europa aufbauen, hängt davon ab, wie wir die Schwingungen, die uns von dort erreichen, aufnehmen, mit unseren Eigenschwingungen verbinden und vielleicht sogar zurückgeben können. Wenn diese vielen verschiedenen Resonanzen über längere Zeit halbwegs in der Balance sind, dann gelingt das eigene Leben. Das ist – in aller Kürze – die Grundidee von Hartmut Rosa. Sehr hübsch, finde ich.

Natürlich gibt es auch ein paar Seiten über Musik. Schließlich sind die Schallwellen nicht weit, wenn es um Schwingungen geht. Soweit, so physikalisch. Aber diese Sätze auf Seite 162 haben mich dann doch geflasht:

„Das Musik-Erleben hebt die Trennung zwischen Selbst und Welt auf, indem es sie gleichsam in reine Beziehung verwandelt: Musik sind die Rhythmen, Klänge, Melodien und Töne zwischen Selbst und Welt, auch wenn diese eine ding- und sozialweltliche Quelle haben. Der Klangkosmos besteht dann daraus, dass er alle Arten und Schattierungen von Beziehungen auszudrücken oder zu stiften vermag: Zerrissenheit, Einsamkeit, Verlassenheit, Feindseligkeit, Entfremdung, Spannung, aber auch Sehnsucht, Zuflucht, Geborgenheit, Liebe, Responsivität.“

Und dann noch so ein Ding auf Seite 164:

„Sie (die Musik – F.S.) dient der Vergewisserung und potentiell der Korrektur unseres Weltverhältnisses, sie moderiert und modifiziert unsere Weltbeziehung, und sie stiftet sie immer wieder neu als ‚Urbeziehung‘, aus der Subjekt und Welt hervorgehen.“

Das sitzt. Wenn Musik wirklich so wichtig ist – was passiert dann mit uns, wenn wir täglich durchschnittlich über drei Stunden ausschließlich Musik hören, die wir schon kennen? Natürlich: Erstmal gibt es eine Inflation: Wir hören immer weniger hin. Auch dann, wenn der vorgeschriebene Wortanteil dran ist: Wetter, Wetter, Wetter, Verkehr, Blitzer, Nachrichten. Dann werden die Hits der nächsten halben Stunde angekündigt: Alphaville, Depeche Mode, Jugendliebe. Irgendwas dabei, weshalb ich mein Weltverhältnis korrigieren müsste? Oder meine Weltbeziehung moderieren oder modifizieren? Nein! Statt dessen bin ich vergewissert: Kenn ich alles! Noch bevor das Dopamin der vergangenen Sendestunde aufgebraucht ist, folgt die nächste warme Dusche. Mein Selbst und die Welt schaukeln sich in positiven Schwingungen ein. Ich bekommen gute Laune. Ich will nicht umschalten. Natürlich denke ich manchmal wehmütig an das „Gänselieschen“. Aber mit dreimal Depeche Mode wird dieser Verlust ausgeglichen.

Es sieht so aus, als würden die Sender mit ihren Frequenzen ihren Empfängern nahe kommen und ihre Erinnerungen teilen. Statt dessen fragen sie einfach: Was sollen wir spielen, damit wir euch gefallen? Das ist Populismus. Natürlich im Dienste des Marktes und der Marktanteile. Aber die neoliberalen Mechanismen werden auf diese Weise akzeptabel gemacht und wenn sie von populistischen Politikern genutzt werden, haben sich ihre potentiellen Wähler bereits daran gewöhnt.

Diese Umfrageleute von der Musikforschung bleiben dran. Die Suche nach dem kleinsten gemeinsame Nenner wird nicht aufgegeben. Der Grund dafür sind natürlich die Marktanteile. Insgesamt sind das im Norden für den NDR 50 Prozent – wenn man die Anteile aller NDR-Programme addiert. Bei einer durchschnittlichen Hördauer von 189 Minuten. Drei Stunden. Pro Tag.

Wenn die Media-Analyse im Juli 2016 für NDR 1 Radio MV einen Marktanteil von 26,9 Prozent verkünden konnte – angeblich den höchsten im Land – dann liegt das zum großen Teil an dieser Marktforschungsarbeit, der die Massenkompatibilität absichert. Dazu gehört natürlich, dass auch die schlimmste Nachricht so im Programm untergebracht werden muss, dass sie den Dopaminfluss bei den Hörern nicht ernsthaft unterbricht. Das Programm von NDR 1 Radio MV hat einen Musikanteil von 59,9 Prozent, der Rest – 40,1 Prozent – sind Worte. Worte, die zum großen Teil mit Rhythmen unterlegt werden, damit den Hörern das Sprechen nicht auf die Nerven geht.

Dass die Hörer nach ihren musikalischen Hörgewohnheiten befragt werden, ist natürlich kein Geheimnis und sogar branchenüblich. „Das machen alle, die mit ihrem Radioprogramm Mehrheiten erreichen wollen.“, sagt der NDR-Medienforscher Martin Werner am Telefon. Beim NDR sind diese als „mehrheitsfähig“ eingestuften Programme NDR 2, N-JOY und die vier NDR 1 Landesprogramme, darunter natürlich auch NDR 1 Radio MV. Unabhängige Marktforschungsinstitute führen regelmäßig sogenannte „Call Outs“ durch, also Hörerbefragungen mit zufällig ausgewählten Telefonnummern – auch mit Handynummern und zu unterschiedlichen Tageszeiten. Damit wird die Gesamtheit der eigenen bzw. potenziellen Hörerschaft in der jeweiligen Studie möglichst gut abgebildet. Zuerst werden die Angerufenen nach ihrer Programmnutzung gefragt. Handelt es sich um Gelegenheits- oder regelmäßige Hörer der NDR-Programme oder deren Konkurrenten so werden den Befragten kurze sogenannte „Hooks“ vorgespielt: acht bis zwanzig Sekunden lange Ausschnitte aus Liedern, an denen man die Titel gut wiedererkennen kann.

Dann die Fragen: Mögen Sie den Titel? Sehr? Oder können Sie ihn gar nicht mehr ertragen? So schlimm, dass sie bei diesem Titel sogar abschalten würden? „Kein Sender möchte, dass seine Hörer wegen eines ungeliebten Songs umschalten.“ Eine ähnliche Wirkung haben auch unbekannte Titel: Alles, was den Hörern nicht schon irgendwie bekannt vorkommt, hat es in der Regel schwerer, gute Beliebtheitswerte zu erreichen  – und schafft es so abseits von Spezialsendungen nur seltener ins Programm. Aber eine nicht so gute Bewertung bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Titel gar nicht mehr gespielt wird. Manchmal wird er einfach nur seltener oder nur zu bestimmten Tageszeiten eingesetzt oder er pausiert für einen gewissen Zeitraum. Im Gegenzug werden Musiktitel mit einem guten „Call Out“-Ergebnis häufiger im Programm gespielt.

Das Programm von N-JOY zum Beispiel setzt darauf, möglichst viele aktuelle Titel für junge Hörer zu spielen. Der Hörergeschmack ändert sich bei diesen Titeln aber sehr schnell und deshalb passt N-JOY seine Playlist häufig an und gibt entsprechend oft, manchmal wöchentlich, neue „Call Outs“ in Auftrag. Bei N-JOY laufen die 10 jeweils am häufigsten eingesetzten Titel zwischen 30 und 40mal pro Woche und dabei sind die Nachtstunden schon mitgezählt.

Bei der Planung einer Sendestrecke bekommen die Musikredakteure Unterstützung von einer speziellen Software. Sie macht Vorschläge, um die Titel nach diversen Kriterien möglichst optimal im Programm zu verteilen – darunter u.a. Alter des Songs, Genre, Tempo und auch Beliebtheit und sortiert in die verschiedenen Kategorien der so genannten „Rotation“ ein: Titel in der A-Rotation laufen häufig, Titel in der C-Rotation laufen seltener. Die endgültige Entscheidung trifft aber immer der Mensch – sprich: der Musikredakteur.

Bei bestimmten aktuellen Ereignissen spielen Testergebnisse oder der Kollege Computer gar keine Rolle. Martin Werner erläutert ein Beispiel: „Als David Bowie starb, liefen natürlich viel mehr Titel von ihm im Programm als sonst üblich.“ Für den „Call Out“-Test werden die Titel von den Musikredakteuren ausgewählt. Für diese erste Auswahl sind Erfahrung und Bauchgefühl maßgeblich. Die Musikredakteure versuchen, das Urteil der „Call Out“-Befragung vorwegzunehmen: Was könnte meinen Hörern gefallen?

Denn die Redaktionen und die Geschäftsführer der massentauglichen Programme eint natürlich der Grundsatz: Wir vermeiden, was uns Marktanteile kostet. Das gemeinsame Ziel ist ein Programm, das täglich möglichst viele Hörer möglichst lange am Programm hält. Heraus kommt der zum jeweiligen Programm passende Klangteppich, der möglichst wenig Einladungen zum Abschalten bietet.

Die Vermutung liegt nahe, dass es im Unternehmen eine umgekehrte Zusammenhänge gibt: Je öfter ein Redakteur eigenständige Entscheidungen über die gespielten Titel trifft ohne sich von der „Rotation“ beraten zu lassen, desto kürzer seine Karriere. Immerhin werden beim NDR 1 Radio MV auch Spezialsendungen anbieten: Jazztime, Kulturjournal, Forum aktuell. Abends dann. Wenn es auf Massentauglichkeit nicht mehr so ankommt. Aber von sechs bis bis 18 Uhr wird der Gute-Laune-Klangteppich ausgerollt.

Nebenbei: Das ist natürlich schwer für die Journalisten der Wortbeiträge. Nicht nur, weil sie jedes noch so aufwändig recherchierte Thema in die legendäre Beitragslänge von „einsdreißig“ pressen müssen. Sondern auch, weil ihre Arbeit so in den Klangteppich aus Musik und Moderation einfügen muss, dass kein Hörer wirklich aufmerksam wird. Und sich erschreckt. Und dann vielleicht ausschaltet.

Oder umschaltet. Zur Ostseewelle zum Beispiel, dem erklärten nächsten Konkurrenten von NDR 1 Radio MV. Bei denen kommt die Musik aus einer ähnlichen Rotationsmaschine, auch die privaten Sender fragen bei den Hörern nach, welche Musik sie senden sollen. Wer jedoch die privaten Sender hört, dem muss klar sein, dass er sich auf den Markt begibt: Hier kommt Werbung. Hier gibt es das Dopamin nur im Tausch gegen ein bisschen Aufmerksamkeit beim Werbeblock.

Aber egal bei welchem Sender – die Frage bleibt: Was macht das mit uns? Was macht es mit den Leuten, wenn sie ihr täglich Dopamin aus der Vergewisserung beziehen, dass ihr Gute-Laune-Radio nicht im Stich lässt und ihnen täglich  diese Wiederkennungs-Erlebnisse verschafft: Die kennen mich. Die wissen, was gut für mich ist. Die sind von hier, aus meiner Heimat. Und Heimat ist, wo im Radio nichts kommt, was ich nicht schon von früher kenne. Überraschungen sind so gut wie ausgeschlossen. Denn sie werden mit zunehmender Hördauer als unangenehme Unterbrechung im Fluss des Allbekannten empfunden. In meinem Heimatprogramm ist Musik anderer Kulturkreise – zum Beispiel arabische Titel oder auch nur der Nummer-Eins-Hit aus unserem Nachbarland Polen – undenkbar. Das soll auch so bleiben. Sonst schalte ich sofort ab.

Für den Sender ist es oberstes wirtschaftliches Gebot, sich an diese Vorgabe der Mehrheit seiner Hörer zu halten. So wird die Beziehung zwischen Hörer und Sender zu einem geschlossenen System: Der Sender fragt die Hörer, was er spielen soll. Die Hörer antworten mit dem, was sie aus dem Sender kennen. Es gibt keine Überraschungen. Das Neue ist nicht erwünscht, das Fremde auch nicht. Drei Stunden am Tag.

Und das alles ohne Not: Auch der aktuelle Rundfunkstaatsvertrag verlangt nicht, dass öffentlich-rechtliche Radio-Programme massentauglich sein und Marktanteile erobern sollen. Dort ist der Auftrag in Paragraph 11 formuliert:

Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sie sollen hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern. Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen.

Statt dessen wird mit massenkompatiblen öffentlich-rechtlich finanzierten Radioprogrammen durch selbstreferentielle Marktmechanismen der gesellschaftliche Stillstand zementiert. Auf diesem Boden gedeiht der Populismus. Auch der politische.

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